DEUTSCHE SPRACHPRÜFUNG FÜR DEN HOCHSCHULZUGANG
AUSLÄNDISCHER STUDIENBEWERBER
(DSH)
Schriftliche Prüfung am 16.April 1999
Name:.................................
Vorname:............................
Geburtsdatum:....................
Herkunftsland:......................
Studienfach:........................
LESEVERSTÄNDNIS/STRUKTUREN: ....(von 80 Punkten)
VORGABENORIENTIERTE TEXTPRODUKTION:....(von 80 Punkten)
HÖRTEXTVERARBEITUNG/WIEDERGABE: ....(von 80 Punkten)
Gesamt:..........(von 240 Punkten)
Mindestpunktzahl:160 Punkte
Wie oft haben Sie bisher an der Deutschen Sprachprüfung teilgenommen?
0 mal () 1 mal () 2 mal ()
Wo? An der Universität.................................
Wann? Im Sommersemester 19....
Im Wintersemester 19....
Augsburg,16.April 1999
LESEVERSTÄNDNIS/STRUKTUREN
Arbeitszeit:60 Minuten
I.Lesen Sie den nachfolgenden Text genaudurch!
Professor Gerhard Casper,Präsident der Stanford-Universität:
"Studiengebühren sind nicht unsozial"
Deutsche Hochschulen-sind sie im weltweiten Vergleich noch gut genug? Qualität der Lehre, Studiengebühren,das Bildungsniveau der Studenter-das sind die Streitthemen deutscher Bildungsexperten. Wir fragten Gerhard Casper(61),den deutschen Präsidenten der weltberühmten Stanford-Universität(USA):Was muß sich an unseren Universitäten ändern?
Casper: Ich würde den Hochschulen sofort das Auswahlrecht für Studenten geben! Damit würde endlich der dringend notwendige Wettbewerb unter den Universitäten einsetzen.Denn:Studenten wollen gute Studenten.
Aber das Auswahlrecht allein genügt nicht. Ein Numerus clausus¹ ist nötig, um eine Überfüllung zu verhindern. Wenn eine Hochschule fast jeden Studenten nehmen muß, hilft auch das Auswahlrecht nichts.Stanford akzeptiert jährlich von 19,000 Bewerbern nur 1600 -diese Zahl ist seit Jahrzehnten konstant.
Frage:Welche Auswahlkriterien wären sinnvoll?
Casper: Man müßte alles überprüfen: Abiturnoten,persönliches Engagement, Empfehlungsschreiben, die die Studienbewerber vorlegen. Eine solche Auswahl ist sehr arbeitsintensiv, aber auch von deutschen Universitäten zu leisten.
Frage: Viele Hochschulen klagen über das schlechte Leistungsniveau der Schüler,die an die Universitäten kommen. Versagen bei uns die Schulen?
Casper: In jedem Land der Welt wird über die Schulen geklagt, Es ist aber wichtig,daß die Schulen viel von ihren Schülern fordern. Es ist nicht nur ein Problem der Schulen, sondern auch der Elternhäuser.
Frage: Worin unterscheiden sich deutsche und amerikanische Studenten?
Casper: Unsere Studenten haben es gelernt, gegenüber der Universität und den Professoren anspruchsvoll zu sein. Offenheit, Neugier, Kritikfähigkeit ist bei vielen stark ausgeprägt. In Deutschland finden sich vielejunge Leute allzu leicht mit den Gegebenheiten ab.
Frage: Die Bundesregierung will Studiengebühren gesetzlich verbieten. Ist das sinnvoll?
Casper: Nein, das ist sozialpolitischer Unsinn! Beim gegenwärtigen System werden die Armen über die Steuer zur Kasse gebeten,um den Wohlhabenderen das Studium zu finanzieren. Das ist völlig unsozial. Der größte Teil der Studenten kommt nun mal aus besserverdienenden Haushalten. Ich verstehe nicht, warum eine linke Bundesregierung² ein Studiengebühr -Verbot will. Und Chancengleichheit bekommt man über die Vergabe von Stipendien an bedürftige Studenten. Das ist kein Argument. Außerdem würden Gebühren die langen Studienzeiten verkürzen.
Viele US-Familien beklagen sich heftig über unsere hohen Studiengebühren. Aber dann kaufen sie sich eben keinen Mercedes, sondern sparen für die gute Ausbildung ihrer Kinder.
Frage: Müßte die Lehrleistung deutscher Professoren mehr kontrolliert bzw. bewertet werden?
Casper: Ja. Vorlesungen und Seminare müßten wie bei uns durch Studenten -Befragungen und die Kollegen regelmäßig bewertet werden. So kommt es zu einem echten Wettbewerb. Für die Professoren ist eine solche Bewertung sehr aufschlußreich und auch förderlich.
Frage: Bei uns muß ein Professor im Durchschnitt 57 Studenten betreuen. Wie unterscheidet sich die Arbeit deutscher und US-Professoren?
Casper: Der Hauptunterschied ist die den Studenten gewidmete Zeit. Wir haben in Stanford ein Professoren-Studenten-Verhältnis von 1:10. Ich sprechbar für ihre Studenten sind und von ihnen zu wenig erwarten -vor allem,was Kritik und Anregung betrifft.
1.Für einzelne Fächer wird nur eine beschränkte Zahl von Studienbewerbern zugelassen.
2.Gemeint ist die SPD, die derzeit Regierungspartei ist.
II.Was steht-dem Inhaltnach, nicht wörtlich -im Text?
Kreuzen Sie "ja"(=das sagt der Text) order"nein"(=dassteht nicht im Text) an!
(Mechanisches Ankreuzen nützt nichts!)
ja nein
1.Es gibt genügend gute deutsche Hochschulen. __ __ 2
2.Die meisten Experten für Bildung sind lehrer. __ __ 2
3.Die Einführung von Studiengebühren ist in Deutschland
umstritten. __ __ 2
4.Die Studenten sollten die Hochschule, an der sie studieren
wollen, selbst auswählen dürfen. __ __ 2
5.Der Präsident von Standford befürwortet eine leistungssteigernde
Konkurrenz zwischen den Universitäten. __ __ 2
6.Der Numerus clausus bezeichnet die Zahl der Studienbewerber
für ein Studienfach. __ __ 2
7.In Stanford ist die Zahl der Studienanfänger seit langem
unverändert. __ __ 2
8.Nach Professor Casper müßten Studienbewerber u.a. auch
Referenzen vorweisen. __ __ 2
9.An deutschen Universitäten wird intensiv und leistungsbewußt
gearbeitet. __ __ 2
10.Die Schuld für das schlechte Bildungsnvieau der deutschen
Studienanfänger liegt nur zum Teil bei den Schulen. __ __ 2
11.Die Stanford-Studenten erwarten von ihren Universitätslehrern
nicht so viel wie deutsche Studenten von ihren Dozenten. __ __ 2
12.Viele deutsche Studenten verhalten sich passiv ihrer Universität
gegenüber. __ __ 2
13.Die jetzige Bundesregierung will Studiengebühren einführen. __ __ 2
14.Die Reichen ermöglichen den weniger Wohlhabenden das
Studium. __ __ 2
15.Ärmere Studenten haben kürzere Studienzeiten. __ __ 2
16.Die Mehrzahl der Studenten stammt aus gutsituierten
Elternhäusern. __ __ 2
17.Chancengleichheit ist ein sozialpolitischer Unsinn. __ __ 2
18.Die "Benotung" von Universitätslehrern kann der Verbessrung
des Unterrichts dienen. __ __ 2
19.In Deutschland sprechen die Professoren zu viel. __ __ 2
20.In Stanford studieren mehr als ein Dutzend Nobelpreisträger. __ __ 2
III. Im folgenden Text sind 40 Wörter unvollständig.
Ergänzen Sie die Wörter! Jeder fehlende Buchstabe ist durch
eine Lücke( _ ) zu erkennen.
Das Interview, das Sie gelesen haben, läßt sich wie folgt zusammenfassen:
Die wicht ______Frage ist, ob Deutsc_____Hochschulen he ___ noch ihrem gu___Ruf gerecht werden. Od____ muß sich an uns____ Universitäten etwas verä___ , da___ wir international konkurr______ ble______?
Der Präsident der Stanford-Universität schlägt vor, man so___ den Universitäten d___Möglichkeit geben, un___ den Studienbewerbern dieje___ auszuwählen, die n____ einem guten Abitur auch soziale Fähig____ so___ persönliches Engagement mitbrächten.
Casper lo___ vor allem die bei sei___ Studenten vorha____ Qualitäten w___ Offenheit, Neugier und Kritikfähigkeit, die er in Deutschland verm____.
Ein Ver____ von Studiengebühren ha_____ er für sinnlos,sagt Casper, Chancengleichheit kö___ durch Stipendien an finanzschwä______ Studenten erreicht we_____.
Die Frage, o_die universitäre Le___ gen____ kontrolliert werden müsse, beantwortet Casper mit dem Hinweis da_____, daß Kontrolle den Wettbewerb för_____. D____ könne d__ Niveau nur gutt___.
D__ seine deuts____ Kollegen ihren Studenten nur wenig Zeit wi___ und sich ka__ um de___ Meinung küm____, ist sein Hauptkritikpunkt.
Textproduktion
Arbeitszeit:60 Minuten
Aufgabe: Schreiben Sie Ihre Meinung zu den folgenden Thesen von
Professor Casper!
A. Universitäten müssen auswählen können, welche
Studenten sie wollen. 20 P.
B. Konkurrenz zwischen den einzelnen Hochschulen
ist dringend nötig. 20 P.
C. Studiengebühren sind nicht unsozial. 20 P.
D. Die Lehre der Professoren soll von den Studenten
und Kollegen bewertet werden. 20 P.
(Erwartet wird ein ausformulierter Text von mindestens 120 Wörtern!)
Hörtextverarbeitung
Arbeitszeit: 90 Minuten(inklusive Vortrag)
I. Lückendiktat: Die Anfänge der Kleidung
Schreiben Sie in die Lücken, was Sie hören!
Die Geschichte der Kleidung ist so alt wie die Geschichte der menschlichen Kultur.
Als der ____________ ____________ vom __________ zum __________ getan war, als der Mensch einfache ___________ ___________ und ________ zu ______________ verstand, _____________ er schon dazu __________ sich Kleidung ________________. Er ____________ sich auch dadurch vom Tier; ______________ das Tier ist ____________ fähig, sich eine ___________ recht kunstvolle ____________ zu bauen, produziert ___________ ______________ auch nur die ___________ _____________ einer Kleidung.
II. Hören Sie nun weiter über das Thema "Die Anfänge der Kleidung"!
Machen Sie sich Notizen!
Vokabular:
1.das Fell 5.das Muster
2.flechten 6.die Muschel
3.die Sandale 7.das Amulett
4.der Lendenschurz
III. Fassen Sie kurz zusammen, was Sie über die unterschiedlichen
Funktionen von Kleidung gehört haben!
Folgende Stichwörter helfen Ihnen dabei:
A. Kleidung als Schutz 15
B. Kleidung als Schmuck 15
C. Kleidung als Statussymbol 10
___________________________________________________________
___________________________________________________________
IV. Ergänzen Sie das passende Wort/den passenden Begriff nach
dem, was Sie gehört haben!
1. Kleidung macht die ___________ des Menschen innerhalb der
Gesellschaft sichtbar. 2
2. Kleidung ___________ den einen Menschen vom anderen. 2
3. Der Erfolgreichste hat in der Regel auch das __________ Kleid. 2
4. Kleidung ist gleichzeitig __________ und Schmuck. 2
5. Als Amulett ________ ,schützte Schmuck vor bösen Geistern. 2
V. Wurde das im Vortrag (dem Inhalt nach, nicht wörtich) gesagt/bzw.
nicht gesagt? Schreiben Sie ri (= richtig )oder fa ( = falsch ) in die
Klammern!
1. Das menschliche Schamgefühl war der Grund für die
Erfindung von Kleidung. ( ) 2
2. Der lendenschurz wurde vor allem in nördlichen Zonen
der Erde getragen. ( ) 2
3. Die Geschichte der Kleidung ist durch ständige Veränderungen
bestimmt. ( ) 2
4. Fell-und Pflanzenkleidung war wahrscheinlich die erste
Kleidung der Menschen. ( ) 2
5. Auch Tiere können sich kunstvolle Kleider herstellen. ( ) 2
Hörtext "Die Anfänge der Kleidung"
Die erste und älteste Kleidung bestand wahrscheinlich aus dem Fell von Tieren, die bei der Jagd erlegt ( getötet ) wurden. Auch Blätter und andere Pflanzenteile wurden zur Herstellung von Kleidung verwendet. In beiden Fällen lieferte die Natur das notwendige Rohmaterial, das der Mensch nur noch bearbeiten mußte. So reinigte er z. B. die abgezogenen Tierfelle und nähte sie zu Hosen, Röcken und Mänteln zusammen, denn auch die Nähnadel war bereits eine Erfindung der frühen Menschheitsgeschichte. Aus dem pflanzlichen Material flocht er ebenfalls Kleidungsstücke und Schuhe wie etwa die ältesten Sandalen.
Die Frage, warum der Mensch überhaupt die Kleidung erfand, wurde früher damit beantwortet, daß er sich mit ihrer Hilfe vor Wettereinflüssen und vor Verletzungen schützen und auch seine Nacktheit verbergen (verhüllen) wollte, weil er sich schämte. Das Schamgefühl, so wird heute argumentiert, ist jedoch erst eine Folge der Bekleidung und nicht der Grund für ihre Erfindung. Erst als der Mensch daran gewöhnt war, bestimmte Teile seines Körpers hinter Kleidungsstücken zu verstecken, entwickelte er für diese Körperzonen so etwas wie Schamgefühl.
Das wahrscheinlich allen Völkern gemeinsame Urkleid war wohl eine Art Schurz (Lendenschurz) aus Pflanzenfasern oder Tierhäuten, der den Unterkörper bedeckte. In nördlichen Zonen der Erde oder in Gebirgslandschaften machten sich die Menschen allerdings Kleider, die auch den Kopf, den Oberkörper, die Arme und die Beine umhüllten und ihn so vor der Kälte schützten.
Die Definition der Kleidung als Körperschutz reicht jedoch nicht aus. Es bleiben Fragen wie die folgenden: Warum hat der Mensch immer schon sehr viel mehr für seine Kleidung getan, als notwendig war, um sich gegen Kälte und Hitze zu schützen oder Verletzungen zu vermeiden? Warum gab er der Kleidung im Laufe ihrer Geschichte immer andere und neue Formen, warum schmückte er seine Kleider mit bunten Farben und schönen Mustern? Der Wunsch, sich zu schmücken und sich von anderen zu unterscheiden, ist mindestens ebenso alt wie die Kleidung selbst. Schon die Urmenschen bemalten ihre nackten Körper mit Pflanzenfarben und schmückten sich mit Steinen, Mineralien, Schnecken, Muscheln, Perlenusw.
Allerdings wurde der Schmuck ursprünglich nicht nur wegen seines Materials, seiner hübschen Form und seiner Farbe gesammelt, bearbeitet und von den Menschen getragen. Er besaß eine magische Bedeutung und sollte als Amulett vor bösen Geistern und gefährlichen Naturkräften schützen. So glaubte man in der Frühzeit z. B. durch das Tragen von Zähnen, die man erlegten Tieren oder auch getöteten menschlichen Gegnern abgenommen hatte, die Kraft der Besiegten auf die eigene Person übertragen zu können.
Schmuck und Kleidung lassen sich in der frühen Menschheitsgeschichte nicht exakt voneinander trennen. Ein besonders schönes, wertvolles Fell diente nicht nur als Schutz, sondern ebenso als Schmuck und Auszeichnung. Denn sicherlich gehörte schon in den Urgemeinschaften das schönste Fell oder das Fell des edelsten (wertvollsten) Tieres immer dem Ältesten, dem Stärksten oder dem Erfolgreichsten. Schmuck und Kleidung waren also von Anfang an auch Ausdruck der menschlichen Persönlichkeit. Sie unterschieden den Menschen von seinen Mitmenschen und kennzeichneten seine Position innerhalb einer Gemeinschaft.
In dieser Funktion der Kleidung, Bedeutung und Stellung des Menschen innerhalb der Gesellschaft sichtbar zu machen, liegt wahrscheinlich der Grund für die große Mühe, die sich die Menschen mit ihrer Kleidung machten und machen und für die ständige Veränderung ihrer Formen, Farben und Muster. Kleider sind bis heute ein Statussymbol geblieben.
Quelle: E. Thiel, Geschichte der Kleidung, Berlin 1997, S. 6-7.