Texte zum Hörverstehen: Hörtext "Intelligenzforschung"
Länge: 5 Minuten (574 Wörter)
Quelle: Nach BR2. Schulfunk vom 21.7.1999. "Wer ist gescheit?"
Interviewer:
Wer sich um einen Arbeitsplatz bewirbt nach der Schule oder dem Studium, der muss immer häufiger eine Prüfung bestehen, einen sogenannten Intelligenztest, mit dessen Hilfe der sogenannte Intelligenzquotient, der IQ des Bewerbers festgestellt wird.
Professor Kurt Heller vom Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie an der Universität München ist Spezialist für Intelligenztests und sagt uns zunächst, was ein Intelligenztest ist.
Prof. Heller:
Ein Intelligenztest besteht aus verschiedenen Aufgaben und Problemstellungen. Das können zum Beispiel sprachliche Aufgaben sein oder Aufgaben aus dem Bereich der Mathematik. Die Aufgaben sollen die Denkfähigkeit prüfen, sprachliche Denkfähigkeit zum Beispiel bei Satzergänzungen oder Analogiebildungen. Etwa so: Heiß verhält sich zu kalt wie nass zu ... und jetzt muss man ergänzen. Das Ergebnis einer solchen Leistungsprüfung besteht meist in mehreren Kennwerten, die Auskunft über die Denkfähigkeiten in unterschiedlichen Bereichen geben sollen.
Im Grunde sind die IQ-Tests aber seit einigen Jahrzehnten veraltet, das heißt, die moderne Test-Psychologie verwendet überwiegend spezielle Intelligenz-Messungen, sogenannte Profilverfahren, und eben nicht nur einen Kennwert wie den Intelligenzquotienten. In den neueren Tests, Tests, die in den letzten zwei, drei Jahrzehnten entwickelt worden sind, erfasst man individuelle Profile mit Schwerpunkten und Schwächen, so dass man auch gezielter in der Berufsberatung oder in der Studienberatung sagen kann: Für dich eignen sich mehr diese Studienfächer oder diese Laufbahn.
Interviewer: 德语德福(TestDaF)考试试题
Individuelle Intelligenz, woher kommt sie? Spielt die Umgebung, das Milieu eine Rolle? Oder hat man das alles von den Eltern geerbt?
Prof. Heller:
Also man kann diese Frage nur sehr allgemein beantworten. Und zwar auf der Grundlage der Erkenntnisse, die wir aus Zwillingsstudien gewonnen haben. Generell muss man sich immer klar machen: Jede Intelligenzentwicklung ist eine Wechselwirkung zwischen den Fähigkeiten, also der Anlage, und der Förderung durch die Umwelt! Das heißt, das was ich zu einem bestimmten Zeitpunkt mit Intelligenztests messe, ist nicht die reine Anlage, das reine Fähigkeitspotenzial, sondern immer auch ein Ergebnis dessen, was ich und was möglicherweise auch die Eltern und andere, die für meine Erziehung und Sozialisation verantwortlich sind, gemacht haben, was unterstützt worden ist.
Interviewer:
Nun hat man ja den Eindruck, dass die Gesellschaft sehr weitgehend bestimmt, was als dumm angesehen wird und was als intelligent.
Prof. Heller:
Der Übergang von dumm zu intelligent ist fließend. Und das, was Intelligenztests messen, ist ja auch nicht die Intelligenz an sich, sondern solche Tests messen vielmehr nur die Intelligenzunterschiede zwischen den einzelnen Individuen. Das gilt übrigens genauso, wenn ich die Leistungsmotivation oder die Interessen messe: Ich messe niemals das Merkmal an sich, ich messe immer nur die Unterschiede bezüglich Leistungsmotivation, Interessen, usw. zwischen den verglichenen Schülern. 德语德福(TestDaF)考试试题
Außerdem gibt es die Intelligenz gar nicht, sondern Intelligenz ist immer in einem best immten kulturellen und gesellschaftlichen Kontext definiert. Und wenn man Intelligenz mal ganz allgemein definiert als die Fähigkeit, sich mit Hilfe des Denkens an neue Situationen anzupassen, neue Aufgaben zu bewältigen, dann wird klar, dass in unserer Zeit, in einer hochtechnisierten Gesellschaft, andere Anforderungen an uns gestellt werden, als etwa in einer rein agrarischen Gesellschaft vor hundert Jahren. Oder in einem ganz anderen Erdteil, sagen wir zum Beispiel in einer Situation, in der sich australische Ureinwohner befinden, die ganz andere Aufgaben in ihrer Lebenssituation bewältigen müssen. Also insofern gibt es die absolute Intelligenz gar nicht, sondern sie ist immer abhängig von der jeweiligen gesellschaftlichen und kulturellen Umwelt.
Und insoweit sich unsere Situation heute von der von vor 50 oder 100 Jahren unterscheidet, werden natürlich heute auch teilweise andere Fähigkeiten gefordert und entsprechend hoch geschätzt. Etwa im Bereich neuer Technologien oder in der Informatik.
Interviewer:
Herr Professor Heller, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.